Flüchtlinge und Migration

Die Unterstützung von syrischen Flüchtlingen ist nicht nur ein 'Akt der Großzügigkeit', sondern auch 'aufgeklärtes Selbstinteresse', sagt der UNO-Chef bei seinem Besuch eines jordanischen Flüchtlingslagers.

28. März 2017 - Beim Besuch des Zaatari Flüchtlingslagers in Jordanien, dass etwa 80.000 syrische Flüchtlinge beherbergt, drängte der Chef der Vereinten Nationen die Konfliktparteien in Syrien und den Ländern, die auf sie Einfluss haben, zu realisieren, dass die Krise nicht nur eine Tragödie für die Menschen in Syrien ist, sondern auch eine Bedrohung für die regionale Stabilität und globale Sicherheit.

"Solidarität mit den syrischen Flüchtlingen ist auch ein Weg unserer Möglichkeiten, um globale Sicherheit zu garantieren. Es ist nicht nur ein Akt der Großzügigkeit. Es ist auch ein Akt des aufgeklärten Selbstinteresses", fügte er hinzu, und bemerkte, dass bei scheiternder Unterstützung der Flüchtlinge Gruppen wie der Islamische Stadt des Irak und der Levante (IS/Da'esh) und Al-Kaida solch Tatenlosigkeit als Argumente nützen könnten, um ihre eigenen Interessen voranzutreiben und die globale Sicherheit zu gefährden. Erfahren Sie mehr

Die Zahl der Menschen, die von ihrem Zuhause durch Krieg, Verfolgung und Terror vertrieben wurden, stieg zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinten Nationen auf über 60 Millionen. Im Jahr 2015 waren durchschnittlich 24 Menschen pro Minute gezwungen zu fliehen.

Der UN Refugee Agency's Global Trends Report zeigt, dass bis Ende 2015 65,3 Millionen Menschen vertrieben wurden, ein Anstieg von mehr als fünf Millionen im Vergleich zum Jahr davor. Von diesen 21,3 Millionen Flüchtlingen sind 3,2 Millionen Asylsuchende und 40,8 Millionen Binnenvertriebene innerhalb ihres eigenen Landes.

Die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit kommen aus nur drei Ländern - Syrien, Afghanistan und Somalia.

Konflikt in Syrien zwingt Millionen zur Flucht

Seit Beginn der Syrienkrise sind mehr als 4,9 Millionen Menschen aus dem Land geflohen. Wo befinden sie sich? Meistens noch immer in der Region, in Nachbarländern - 2,7 Millionen in der Türkei; 1,03 Millionen im Libanon; 657.000 in Jordanien; 249.000 im Irak und 117.000 in Ägypten (Stand 30. Juni 2016).
Drei Viertel der syrischen Flüchtlinge sind Frauen und Kinder.
Weitere 13,5 Millionen Menschen innerhalb von Syrien sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, 6,6 Millionen von ihnen wurden durch Gewalt vertrieben.
Eine Million Syrer suchten zwischen April 2011 und Juni 2016 um Asyl in Europa an.

Etwas über die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit sind Kinder, viele davon wurden von ihren Eltern getrennt oder reisen allein.

Während mehr als eine Million Flüchtlinge und Migranten 2015 über das Mittelmeer nach Europa gelangten, befindet sich der größte Teil der Flüchtlinge weltweit in Entwicklungsländern auf der südlichen Halbkugel. Die Türkei nahm mit 2,7 Millionen Flüchtlingen die meisten auf. Der Libanon hat den höchsten Anteil an Flüchtlingen, verglichen mit seiner Bevölkerung. Auf fünf libanesische Staatsbürger kommt ein Flüchtling

Geteilte Verantwortung, Solidarität und anteilnehmende Reaktion

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon hat wiederholt zu geteilter Verantwortung aufgerufen und von den Führenden der Welt Mitgefühl und Respekt vor den Menschenrechten gefordert. In seiner Rede im österreichischen Parlament im April 2016 sagte er: "Wir haben eine moralische, rechtliche und politische Verpflichtung, denen zu helfen, die vor Krieg, Menschenrechtsverletzungen und Verfolgung fliehen."

Er hat auch Besorgnis über die hasserfüllten Berichte von Intoleranz, spaltender politischer Rhetorik zu Asyl- und Migrationsthemen, steigender Fremdenfeindlichkeit und Beschränkungen des Zugangs zu Asyl in manchen Regionen geäußert.

Wußten Sie, dass einer von 113 Menschen auf diesem Planeten entweder ein Flüchtling, ein Asylsuchender oder ein Binnenvertriebener ist?

Die Begriffe 'Migranten' und 'Flüchtlinge' werden oft vertauscht, aber es gibt einen Unterschied zwischen den beiden.

"Flüchtlinge sind Menschen, die vor bewaffneten Konflikten oder Verfolgung fliehen".
"Migranten wählen freiwillig den Weg für ein besseres Leben".

Das Recht auf Asyl aufgrund von Verfolgung ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, dem Grundsteindokument des internationalen Menschenrechtsgesetzes, festgeschrieben.

Flüchtlinge erhalten Schutz im Rahmen der Flüchtlingskonvention von 1951, die einen Flüchtling definiert als jemanden mit gut begründeter Angst vor Verfolgung aufgrund von Rasse, Religion, Nationalität, politischer Meinung oder Mitgliedschaft einer speziellen sozialen Gruppe.

Flüchtlinge dürfen nicht in ein Land zurückgeschickt werden, in dem ihr Leben bedroht ist - auch bekannt als Grundsatz der Nicht-Zurückweisung. Menschen, die ein Verbrechen gegen den Frieden oder ein Kriegsverbrechen begangen haben, haben kein Recht auf einen Flüchtlingsstatus.

Im Rahmen der Flüchtlingskonvention haben Flüchtlinge das Recht auf Arbeit, Bildung, Unterkunft, öffentliche Fürsorge und Sozialunterstützung, Zugang zu Gericht, und, unter anderem, das Recht, sich frei im Land bewegen zu können. Im Gegenzug sind Flüchtlinge aufgefordert, sich an die Gesetze in dem Land zu halten, in dem sie um Asyl ansuchen.

Ein Asylsuchender ist jemand, der in einem anderen Land Schutz sucht und als Flüchtling anerkannt wird. Sie müssen beweisen, dass ihre Angst vor Verfolgung in ihrem Heimatland begründet ist.

Binnenvertriebene Menschen sind jene, die von ihrem Zuhause aus dem selben Grund wie Flüchtlinge flohen, aber in ihrem eigenen Land bleiben. Sie sind nicht völkerrechtlich geschützt.

Die Flüchtlingskonvention von 1951, die von 144 Staaten unterzeichnet wurde - einschließlich Österreich - ist ein Rechtsdokument, das als Grundlage für die Arbeit des Hochkommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) dient. Der primäre Zweck der UNO-Flüchtlingsorganisation ist die Leitung und Koordination internationaler Handlungen zum Schutz von und zur Hilfe für Flüchtlinge und die Lösung des weltweiten Flüchtlingsproblems.

Migration

Migranten wandern aus vielen verschiedenen Gründen, um ihr Leben zu verbessern.

Oftmals um Arbeit zu finden, oder für Bildungszwecke oder Familienzusammenführung. Anders als Flüchtlinge können Migranten sicher in ihr eigenes Land zurückkehren.

Den vorliegenden Zahlen der UNO-Hauptabteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten - Abteilung Bevölkerungsfragen ( UN Department of Economic and Social Affairs - Population Division) nach gab es im Jahr 2015 244 Millionen internationale Migranten. Die meisten von ihnen in einem arbeitsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren.

Die Flüchtlingssituation in Europa

Der UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, sagte, dass es von seiten der europäischen Führungskräfte dringend starke Führung und Visionen braucht, um mit der Flüchtlingsituation in Europa fertig zu werden, die, wie er sagte, "genauso eine europäische Solidaritätskrise ist, wie sie eine Flüchtlingskrise ist".

Die UNO-Flüchtlingsorganisation hat einen Sechs-Punkte-Plan vorgeschlagen, um die Flüchtlingssituation in Europa zu bewältigen und zu stabilisieren. Dazu gehört eine Umsiedelung der Asylsuchenden heraus aus Griechenland und Italien und gleichzeitig eine Rückführung von Einzelnen, die für einen Flüchtlingsschutz nicht berechtigt sind; die Unterstützung Griechenlands im Umgang mit der humanitären Notlage; die Gewährleistung für sichere, legale Wege für Flüchtlinge innerhalb von koordinierten Programmen nach Europa zu reisen, damit sie nicht auf Schlepper angewiesen sind; und die Einrichtung eines Systems für Asylanfragen, um die Flüchtlinge auf eine gerechte Art innerhalb der EU-Mitgliedstaaten zu verteilen.

Flüchtlinge sind Menschen wie wir

Solaf liebt Sport und träumt von einem Leben in Amerika. Sie überlebte den Krieg in Syrien.

Die neunjährige Solaf ist ein syrischer Flüchtling, die mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder im Azraq-Flüchtlingslager in Jordanien lebt. Sie und ihre Familie kommen aus der Stadt Bostra im südlichen Syrien. 2013 flohen sie nach Jordanien, nachdem ihr Heim bei einem Raketenangriff teilweise zerstört wurde. Solaf hat lebhafte Erinnerungen an den Konflikt in Syrien und erinnert sich an die Rakete, die das Dach ihres Hauses getroffen hat.

Trotz allem was sie erlebt hat, ist Solaf ein glückliches und lebhaftes Kind, das gerne mit ihren Freunden im Camp sportelt und in der Unterkunft ihrer Familie Puzzles legt. Sie liebt es, ihrer Mutter beim Kochen zu helfen und rasselt das Rezept ihres Lieblingsgerichtes 'Shishbarak' (Lammknödel) in Joghurt-Sauce herunter.

 

 

Mojtaba träumt davon, eine Heilung für Krebs zu finden

Mojtaba was 13 Jahre als er vor der Gewalt der Taliban in Afghanistan entkam. Die Reise nach Europa war hart. Er sagte: "Ich habe auf dem Weg meinen älteren Bruder verloren. Er ertrank bei der Überquerung von der Türkei nach Griechenland." Danach musste er sich allein durchschlagen, ohne zu wissen, wen er trauen konnte. Er hatte Glück und kam nach Österreich, wo er eine Familie fand, die ihn unterstützte. Jetzt studiert er Molekularbiologie an der Universität Wien und arbeitet auf eine zukünftige Karriere in der Krebsforschung hin.

 

Lesen Sie mehr über Flüchtlingsgeschichten hier (auf Englisch)

Mohamed hat Flüchtlinge, die in Ungarn ankamen, mit Kartentricks unterhalten

Der 21-jährige Mohamad kam 2013 mit seiner Familie aus Syrien nach Budapest. Sie verließen das Land, nachdem eine große Bombe neben ihrem Haus in Damaskus explodierte. Sein Vater war in der kommunistischen Ära Medizinstudent in Budapest. Obwohl er eine gutgehende Praxis in Syrien hatte, musste er Prüfungen neuerlich ablegen, um den ungarischen Qualifikationsanforderungen zu entsprechen. Mohamad, dessen Hobby Zaubertricks sind, arbeitet 10 Stunden pro Tag, sechs Tage in der Woche in einem Supermarkt, bevor er einen Platz an der Metropolitan Universität in Budapest bekommt, um Animation zu studieren.

Er sagt, er möchte Animation zum Erzählen von Geschichten anwenden: "Die Flüchtlinge sind keine Nummern. Jeder hat eine Geschichte. All diese Menschen hatten ein Haus, ein Auto, Freunde. Sie hatten ein Leben. Menschen in Europa fragen, "Wie habt ihr in Syrien gelebt?" und ich sage, "Genau so wie Ihr".