Binnenentwicklungsländer

Fast eine halbe Milliarde Menschen leben in Binnenentwicklungsländern, wo der Handel mit Waren und Gütern teurer ist als in Ländern mit direktem Zugang zu Häfen und dem Meer. Oft sind auch Straßen und Infrastruktur schlecht.

Kasachstan, zum Beispiel, liegt 3.750 Kilometer vom nächstgelegenen Seehafen entfernt. Es dauert 81 Tage, um Erz und Metall, eines ihrer wichtigsten Produkte, auszuführen. Im Vergleich dazu dauert es in Österreich - ebenfalls ein Binnenland, aber mit guten Straßen und weniger als 100 km zum Meer - nur durchschnittlich neun Tage. Somit liegen die Kosten für kasachische Exporteure höher als bei österreichischen.

Im November ist Österreich Gastgeber für die zweite Konferenz für Binnenentwicklungsländer (Landlocked Developing Countries, LLDCs). In Wien wird man nach Möglichkeiten suchen, wie man den LLDCs bei der Förderung nachhaltiger Entwicklung helfen kann. Bei der Konferenz werden zweitausend Teilnehmer erwartet, einschließlich Regierungsvertretern, Staatschefs und UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon.

Was sind Binnenentwicklungsländer?

Binnenentwicklungsländer haben keine territoriale Zugangsmöglichkeit zum Meer. Dies bedeutet, dass sie unter anderem beim Handel, Transport und bei der Infrastruktur erheblichen Herausforderungen gegenüberstehen. Alle LLDCs haben ein niedriges Bruttoinlandsprodukt (BIP) und eine geringe menschliche Entwicklung. Ein Großteil der 32 Binnenentwicklungsländer werden auch als am wenigsten entwickelte Länder eingestuft. Sechzehn LLDCs liegen in Afrika, zehn in Asien, vier in Europa und zwei in Lateinamerika, mit einer Gesamtbevölkerung von 442.5 Millionen Menschen im Jahr 2012.

Fakten über LLDCs

Gesamtbevölkerung ( 2012)

442.5 Millionen

Anzahl der Länder

32

Afrika

16 Länder

Asien

10 Länder

Europa

4 Länder

Lateinamerika

2 Länder

Durchschnittliche Distanz zum nächstgelegenen Seehafen

1.370 km

Durchschnittlicher HDI (2012)

60.6

Anteil der LLDCs am Weltmarkt

1,17%

 

 

Export - Zeit
(Tage)

Exportkosten
(US$ pro Container)

Import - Zeit
(Tage)

Importkosten
(US$ pro Container)

LLDCs

42

3203

47

3884

Transitländer

22

1287

27

1602

Wesentliche Herausforderungen für LLDCs

Nachdem Binnenentwicklungsländer weit von wichtigen Weltmärkten entfernt liegen, ist der Handel schwierig. LLDCs sind für den Warentransit sehr auf Nachbarländer angewiesen. Oft haben Transitentwicklungsländer eine schwache Infrastruktur, eine anfällige politische Lage und teure Verwaltungspraktiken. Straßen und Schienen sind häufig in schlechtem Zustand: zum Beispiel haben nur neun Transitländer mehr als 50 Prozent ihrer Straßen asphaltiert. Streiks, Bürgerkriege und Naturkatastrophen gibt es ebenso häufig.

All diese Faktoren tragen zu hohen Transportkosten bei. Laut UNCTAD wenden typische LLDCs doppelt soviel an Exporterlösen für Transport- und Versicherungsleistungen wie ein durchschnittliches Entwicklungsland und dreimal soviel wie ein durchschnittliches entwickeltes Land auf. Das zeigt sich, wenn man Burundi, ein durchschnittliches LLDC, mit Dänemark, einem Industrieland vergleicht: 2011 dauerte es 47 Tage, bis Burundis durchschnittliche Ausfuhren ihr Ziel erreichten, verglichen mit nur fünf Tagen für Dänemarks Exporte. Dänische Exporteure brauchen vier Dokumente für ihre Ausfuhren, während Exporteure in Burundi neun Dokumente brauchen. Die Kosten für den Export von einem Container aus Burundi lag mit 2.747 US-Dollar weit höher als für einen aus Dänemark (US$ 744).

2011 betrug der Anteil an Binnenentwicklungsländern am Weltmarkt nur 1,17 Prozent. Diese Zahlen werden im BIP und im Index für menschliche Entwicklung (HDI) der LLDCs reflektiert. Das Pro-Kopf-BIP liegt bei 19 LLDCs unter 1.000 US-Dollar und der durchschnittliche HDI lag neun Punkte unter dem globalen Durchschnitt.

Ein Binnenland sein bedeutet ein großes Hindernis für die Entwicklung, da hohe Transportkosten zu einem niedrigeren Handelsniveau führen. Dies hat negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und beeinträchtigt den Fortschritt bei der Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung.

Zweite Konferenz der Vereinten Nationen über Binnenentwicklungsländer

Die Zweite Konferenz der Vereinten Nationen über Binnenentwicklungsländer findet vom 3. - 5. November 2014 in Wien (Österreich) statt. Sie baut auf die erste Konferenz auf, die im August 2003 in Almaty (Kasachstan) stattfand. Das Aktionsprogramm, das in Almaty angenommen wurde, konzentriert sich auf die Transit-Transport-Zusammenarbeit und Transitentwicklungsländer.

Zehn Jahre später kommen LLDCs, Transitentwicklungsländer, Geberländer, die UNO und andere internationale Organisationen, die Zivilgesellschaft und der Privatsektor in Wien zusammen, um

  • die Umsetzung des Almaty-Programms zu bewerten
  • zusätzliche internationale Unterstützung für LLDCs zu bekommen
  • für die nächsten zehn Jahre ein neues Aktionsprogramm zu schaffen, dass sich auf die Herausforderungen der LLDCs konzentriert und messbare Ziele und Indikatoren aufweist.

Gyan Chandra Acharya, Untergeneralsekretär für die am wenigsten entwickelten Länder, Binnenentwicklungsländer und kleinen Inselentwicklungsländer, fungiert als Generalsekretär der Konferenz.

Binnenentwicklungsländer gegen Binnenindustrieländer

Die Zweite Konferenz der Vereinten Nationen über Binnenentwicklungsländer findet in einem Binnenindustrieland statt: in Österreich. Aber im Gegensatz zu Binnenentwicklungsländern haben die europäischen Binnenländer nicht die gleichen Handels-, Transport- und Infrastruktur-Beschränkungen. Die Transit-Infrastruktur ist in Europa viel besser als in Entwicklungsländern; die europäischen Binnenindustrieländer haben durch ihre Mitgliedschaft bei der Europäischen Union freien Warenverkehr; ihr Handel hängt weniger vom Meerzugang ab, da sie von hochentwickelten Volkswirtschaften umgeben sind; europäische Binnenländer wie Österreich, Ungarn und die Slowakei exportieren hauptsächlich hochwertige Produkte wie Maschinen und Geräte, während LLDCs Rohstoffe exportieren. Fazit: die Kosten für den Handel sind in den LLDCs viel höher.

UNO-Büro für Binnenentwicklungsländer

Das Büro des Hohen Beauftragten der Vereinten Nationen für die am wenigsten entwickelten Länder, Binnenentwicklungsländer und kleinen Inselentwicklungsländer ( UN-OHRLLS) wurde 2001 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen geschaffen. Seine Hauptaufgabe ist die Unterstützung des Generalsekretärs, des Wirtschafts- und Sozialrates, der Generalversammlung und der Mitgliedstaaten bei der Umsetzung des Aktionsprogrammes, sowie Beistand für die am wenigsten entwickelten Länder, Binnenentwicklungsländer und kleinen Inselentwicklungsländer - gemeinsam mit den entsprechenden Einheiten der Vereinten Nationen, der Zivilgesellschaft, den Medien, der akademischen Welt und Stiftungen.