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UNIS/INF/430
2. November 2011

Pressemitteilung UNDP

Index der menschlichen Entwicklung 2011:
Norwegen an der Spitze, DR Kongo Schlusslicht

Ungleichheiten lassen USA, Südkorea und andere in der Rangliste zurückfallen.
Die Erfassung von 187 Ländern und Gebieten ist neuer Rekord.

BERLIN, 2. November (UNO-Informationsdienst) - Norwegen, Australien und die Niederlande führen die Weltrangliste im Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index - HDI) an, die Demokratische Republik Kongo, Niger und Burundi bilden die Schlussgruppe. Dieses Ranking der Länderleistungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Einkommen wird jährlich im Rahmen des Berichts über die menschliche Entwicklung erstellt. Der Bericht 2011 wurde heute vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) veröffentlicht und von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen in Berlin präsentiert.

Zu den ersten zehn Ländern des HDI-Rankings 2011 gehören außerdem die Vereinigten Staaten, Neuseeland, Kanada, Irland, Liechtenstein, Deutschland und Schweden. Werden jedoch die innerstaatlichen Ungleichheiten in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Einkommen berücksichtigt, fallen einige der wohlhabendsten Länder aus der Gruppe der ersten 20 heraus: Die Vereinigten Staaten fallen von Rang 4 auf Rang 23, die Republik Korea von 15 auf 32 und Israel von 17 auf 25.

Dieser Rangverlust der Vereinigten Staaten und Israels im Ungleichheit einbeziehenden Index der menschlichen Entwicklung (Inequality-adjusted Human Development Index - IHDI) ist hauptsächlich auf Einkommensungleichheit zurückzuführen, obwohl im Fall der USA auch die Gesundheitsversorgung eine Rolle spielt. In der Republik Korea ist es der große Bildungsabstand zwischen den Generationen, der sich negativ auf den IHDI-Wert auswirkt.

Andere Länder konnten ihren IHDI-Rang verbessern, indem sie für mehr Gleichheit bei Gesundheit, Bildung und Einkommen sorgten: Schweden kletterte von Rang 10 auf Rang 5, Dänemark von 16 auf 12 und Slowenien von 21 auf 14. Deutschland behält seinen 9. Rang.

Der IHDI und zwei weitere zusammengesetzte Indizes - der Index der mehrdimensionalen Armut und der Index der geschlechtsspezifischen Ungleichheit - wurden als Ergänzung zum HDI konzipiert, der auf nationalen Durchschnittswerten für Bildung, Lebenserwartung und Pro-Kopf-Einkommen beruht. Der HDI 2011 erfasst eine Rekordzahl von 187 Ländern und Gebieten, gegenüber 169 im Jahr 2010. Zum Teil liegt dies daran, dass für viele kleine Inselentwicklungsländer in der Karibik und im Pazifik mehr Daten zur Verfügung stehen. Die Autoren des Berichts weisen darauf hin, dass das Länder-Ranking von 2011 daher nicht mit den HDI-Zahlen der Ausgabe 2010 vergleichbar ist.

"Der Ungleichheit einbeziehende Index der menschlichen Entwicklung hilft uns, den Entwicklungsstand nicht nur für die sprichwörtliche statistische Durchschnittsperson, sondern für alle Segmente der Gesellschaft besser einzuschätzen", sagte Milorad Kovacevic, der Chefstatistiker des Berichts über die menschliche Entwicklung. "Wir halten die Verteilung von Gesundheit und Bildung in dieser Gleichung für ebenso wichtig wie die Einkommensverteilung, und die Daten zeigen in vielen Ländern große Ungleichheiten."

Der Bericht 2011 trägt den Titel "Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit: Eine bessere Zukunft für alle". Er stellt fest, dass sich die ungleiche Verteilung des Einkommens fast überall auf der Welt verschärft hat. Die Region mit der stärksten Ungleichheit ist nach wie vor Lateinamerika, wenn es auch einigen Ländern wie Brasilien oder Chile gelungen ist, die innerstaatlichen Einkommensunterschiede zu verringern. Betrachtet man jedoch den IHDI als Ganzes, also einschließlich der Dimensionen Lebenserwartung und Schulbildung, so ist die Ungleichheit in Lateinamerika geringer als in Afrika südlich der Sahara oder in Südasien.

Zur Beurteilung der Einkommensverteilung und der Unterschiede bei Lebenserwartung und Schulbildung innerhalb einzelner Bevölkerungsgruppen eines Landes bedient sich der IHDI einer Methodik, die der bekannte britische Ökonom Sir Anthony Barnes Atkinson entwickelt hat. "Wir verwenden den Ansatz von Atkinson, um Ungleichheiten in Bezug auf Gesundheit, Bildung und Einkommen zu messen, weil er auf Veränderungen am unteren Ende der Skala empfindlicher reagiert als der gebräuchlichere Gini-Koeffizient", erläuterte Kovacevic.

Die durchschnittlichen HDI-Werte sind seit 1970 stark angestiegen - um 41 Prozent weltweit und um 61 Prozent in den Ländern, die sich heute in der Gruppe mit niedrigem HDI befinden. Dies spiegelt die erheblichen Verbesserungen wider, die insgesamt auf den Gebieten Gesundheit, Bildung und Einkommen erzielt wurden. Der HDI 2011 verzeichnet die im Verlauf von fünf Jahren erzielten Fortschritte, um nationale Trends deutlich zu machen: 72 Länder verbesserten zwischen 2006 und 2011 ihren HDI-Rang, angeführt von Kuba (+10 auf Rang 51), Venezuela und Tansania (jeweils +7 auf Rang 73 bzw. 152), während 72 andere Länder zurückfielen, darunter Kuwait (-8 auf Rang 63) und Finnland (-7 auf Rang 22).

Die letzten zehn Länder der HDI-Rangliste 2011 liegen alle in Afrika südlich der Sahara: Guinea, Zentralafrikanische Republik, Sierra Leone, Burkina Faso, Liberia, Tschad, Mosambik, Burundi, Niger und Demokratische Republik Kongo.

Trotz jüngster Fortschritte leiden diese Länder mit niedrigem HDI nach wie vor unter unzureichendem Einkommensniveau, begrenzten Bildungschancen und einer Lebenserwartung, die weit unter dem Weltdurchschnitt liegt, weil unter anderem viele Menschen an verhütbaren und behandelbaren Krankheiten wie Malaria und Aids sterben. In vielen Ländern werden diese Probleme durch die zerstörerische Hinterlassenschaft bewaffneter Konflikte weiter verschärft. In der Demokratischen Republik Kongo, die das Schlusslicht des diesjährigen HDI-Rankings bildet, starben in den letzten Jahren mehr als drei Millionen Menschen durch Kriegshandlungen und konfliktbedingte Krankheiten. Diese Situation löste den größten Einsatz zur Friedenssicherung in der Geschichte der Vereinten Nationen aus.

Index der geschlechtsspezifischen Ungleichheit (Gender Inequality Index - GII)

Dieser Index zeigt, dass Schweden in Bezug auf Geschlechtergleichheit weltweit führend ist. Gemessen wird die geschlechtsspezifische Ungleichheit in einem zusammengesetzten Index, der reproduktive Gesundheit, Schulbesuchsdauer, Vertretung in Parlamenten und Erwerbsbeteiligung berücksichtigt. Im Index-Ranking folgen auf Schweden die Niederlande, Dänemark, die Schweiz, Finnland, Norwegen, Deutschland, Singapur, Island und Frankreich.

Von den 146 im GII erfassten Ländern wird der Jemen als das Land mit der größten Ungleichheit eingestuft, gefolgt von Tschad, Niger, Mali, der Demokratischen Republik Kongo, Afghanistan, Papua-Neuguinea, Liberia, der Zentralafrikanischen Republik und Sierra Leone. Im Jemen haben nur 7,6 Prozent der Frauen, jedoch 24,4 Prozent der Männer eine Sekundarschulbildung, Frauen halten nur 0,7 Prozent der Sitze in der Legislative und der Anteil der Frauen im erwerbsfähigen Alter an der Erwerbsbevölkerung beträgt lediglich 20 Prozent, der Anteil der Männer dagegen 75 Prozent.

"In Afrika südlich der Sahara sind die größten Einbußen an menschlicher Entwicklung auf geschlechtsspezifische Unterschiede im Bildungsbereich sowie auf hohe Müttersterblichkeit und hohe Geburtenziffern im Jugendalter zurückzuführen", schreiben die Autoren des Berichts. "In Südasien bleiben Frauen in allen Dimensionen des GII hinter Männern zurück, vor allem in Bezug auf Bildung, Vertretung im nationalen Parlament und Erwerbsbeteiligung. Frauen in arabischen Staaten sind von ungleicher Erwerbsbeteiligung (etwa die Hälfte des weltweiten Durchschnitts) und geringerem Bildungserfolg betroffen."

Index der mehrdimensionalen Armut (Multidimensional Poverty Index - MPI)

Dieser Index untersucht Faktoren auf Haushaltsebene (z.B. Zugang zu sauberem Wasser, Kochbrennstoffen und Gesundheitsdiensten, Ausstattung mit grundlegenden Haushaltsgütern sowie Baustandards), die zusammengenommen ein umfassenderes Bild von Armut vermitteln als die bloße Messung von Einkommen.

Nach Berechnungen des MPI lebten zwischen 2000 und 2010 rund 1,7 Milliarden Menschen in 109 Ländern in "mehrdimensionaler" Armut, also fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung dieser Länder (5,5 Milliarden). Das sind mehr als die schätzungsweise 1,3 Milliarden Menschen, die weltweit mit höchstens 1,25 US-Dollar pro Tag auskommen müssen. Diesen Maßstab verwenden die Vereinten Nationen in ihren Millenniums-Entwicklungszielen, die die Beseitigung der "extremen" Armut bis 2015 anstreben.

Dem Bericht zufolge ist in Niger der Anteil der von mehrdimensionaler Armut betroffenen Bevölkerung mit 92 Prozent am höchsten, gefolgt von Äthiopien und Mali mit 89 bzw. 87 Prozent. Die anhand des MPI ermittelten zehn ärmsten Länder liegen alle in Afrika südlich der Sahara. Betrachtet man die absoluten Zahlen, liegt jedoch Südasien an der Spitze: Indien, Pakistan und Bangladesch gehören zu den Ländern mit den größten Gruppen mehrdimensional Armer.

Der MPI gibt einen Einblick in die Umweltprobleme der ärmsten Haushalte, namentlich Erkrankungen durch Raumluftverschmutzung, verschmutztes Wasser und unzureichende Sanitärversorgung. Der Bericht stellt fest, dass in Südasien und in Afrika südlich der Sahara über 90 Prozent der von mehrdimensionaler Armut Betroffenen sich keine sauberen Kochbrennstoffe leisten können, sondern hauptsächlich Brennholz verwenden, während rund 85 Prozent über keine angemessenen Sanitäreinrichtungen verfügen.

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ÜBER DEN Index der menschlichen Entwicklung (HDI): Der HDI wird seit der ersten Ausgabe des Berichts über die menschliche Entwicklung von 1990 jährlich veröffentlicht. Er bietet eine Alternative für die Messung der Entwicklung eines Landes anstelle der rein ökonomischen Fortschrittsmessungen, wie sie beispielsweise das Bruttoinlandsprodukt vornimmt. Die HDI-Rankings werden jedes Jahr neu berechnet, unter Heranziehung der aktuellsten international vergleichbaren Daten für Gesundheit, Bildung und Einkommen. Im vergangenen Jahr führte der Bericht über die menschliche Entwicklung drei neue Indizes ein: den Ungleichheit einbeziehenden HDI (IHDI), den Index der geschlechtsspezifischen Ungleichheit (GII) und den Index der mehrdimensionalen Armut (MPI). Sie ergänzen den ursprünglichen Index der menschlichen Entwicklung (HDI), der eine aus nationalen Durchschnittszahlen zusammengesetzte Messgröße ist und daher innerstaatliche Ungleichheiten nicht zum Ausdruck bringt. Weitere wichtige Elemente menschlicher Entwicklung, wie etwa zivilgesellschaftliches Engagement, ökologische Nachhaltigkeit oder auch Bildungsqualität und Gesundheitsstandards, können aufgrund unzureichender Daten in diesen zusammengesetzten Indizes nicht berücksichtigt werden.

ÜBER DIESEN BERICHT: Der jährlich erscheinende Bericht über die menschliche Entwicklung ist eine unabhängige Publikation des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP). Die Ausgabe 2011 in zehn Sprachen sowie ergänzende Materialien über die Indizes und spezielle regionale Aspekte stehen auf der HDR-Webseite zum kostenlosen Download zur Verfügung: http://hdr.undp.org/

Herausgeberin der deutschen Ausgabe ist die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN). Der Bericht ist zu beziehen über den UNO-Verlag, August-Bebel-Allee 6, D-53175 Bonn Telefon: (0228) 94902-0, Telefax: (0228) 94902-22, info@uno-verlag.de, www.uno-verlag.de

Deutschsprachiges Material zum Bericht auch auf www.dgvn.de

ÜBER UNDP: Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) ist vor Ort in 177 Ländern und Gebieten. UNDP unterstützt Staaten beim Aufbau stabiler Gesellschaften und fördert nachhaltiges Wachstum, um die Lebensqualität von Menschen zu verbessern. Zusammen mit seinen internationalen und lokalen Partnern stärkt UNDP Menschen dabei, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten.

ÜBER DGVN: Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) ist Anlaufstelle in Deutschland für alle, die sich für die Vereinten Nationen interessieren. Wir informieren über wichtige Anliegen, Entwicklungen und Ergebnisse der Weltorganisation, ihrer Sonderorganisationen und Spezialorgane. Im Mittelpunkt steht die Diskussion aktueller Themen, die sich aus der Entwicklung der Weltgesellschaft für unser Land ergeben. Mehr unter www.dgvn.de

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