Presseaussendungen

UNIS/INF/88
8. Juli 2005

Die Vereinten Nationen begehen den Weltbevölkerungstag;  Geschlechtergleichheit als zentrales Thema

WIEN, 8. Juli (UNO-Informationsdienst) -- Die Geschlechtergleichheit ist das zentrale Thema des diesjährigen Weltbevölkerungstages, der jedes Jahr am 11. Juli von den Vereinten Nationen begangen wird. Der Weltbevölkerungstag 2005 bietet eine Gelegenheit, den positiven Effekt der Geschlechtergleichheit hervorzuheben sowie die Tatsache, dass die Beachtung dieses Menschenrechts allen zugute kommt -- Männern, Frauen, Buben und Mädchen gleichermaßen.

 „Lasst uns beschließen, die Rolle von Frauen und Mädchen durch unser Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter zu stärken,“ sagte UNO-Generalsekretär Kofi Annan in seiner Botschaft zum Weltbevölkerungstag. „Gleichheit zwischen Männern und Frauen ist ein in der Charta verankertes Grundprinzip der Vereinten Nationen. Es spielt auch eine zentrale Rolle bei den weltweiten Bemühungen, die Menschheit von Angst und Not zu befreien, wie es die Staaten in der Millenniums-Erklärung und den Millienniums-Entwicklungszielen vereinbart haben. Auf der Internationalen Konferenz zur Bevölkerung und Entwicklung im Jahr 1994 wurden Gleichheit und Stärkung der Position der Frau als eigenständige Aufgaben und als Eckpfeiler für die Entwicklung betrachtet. Gleichheit geht Hand in Hand mit Investition in Bildung, wirtschaftlichem Aufschwung und reproduktiver Gesundheit. Zusammen genommen ist dies eine große Triebfeder, um Millionen Menschen von Armut zu befreien.“

Zur Zeit leben ca. 6,5 Milliarden Menschen auf der Welt und man erwartet, dass diese Zahl bis 2050 auf 9,1 Milliarden ansteigt. 81 Prozent leben derzeit in unterentwickelten Regionen, und es ist davon auszugehen, dass es 2050 sogar 86 Prozent sein werden. Dem gegenüber wird die Bevölkerungszahl in entwickelten Regionen einem Bericht der Hauptabteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten des Sekretariats der Vereinten Nationen zufolge im Jahr 2050 weitgehend unverändert bei 1,2 Milliarden liegen. Gemäß den Angaben des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), geht die Bevölkerung Europas und Japans zurück, und das voraussichtliche Tempo dieses Rückganges soll sich bis 2010-2015 verdoppeln. Die Bevölkerung Nordamerikas wächst hauptsächlich durch Einwanderung immer noch um ca. 1 Prozent pro Jahr. Die heutigen Bevölkerungsschätzungen und Wachstumsprognosen sind niedriger als noch vor einem Jahrzehnt, hauptsächlich weil die Auswirkungen von HIV/AIDS in Afrika verheerender als erwartet ausfallen und das Wachstum in den Entwicklungsländern schneller zurückgegangen ist. Die Prognosen der Vereinten Nationen für ein langsameres Bevölkerungswachstum gehen davon aus, dass mehr Paare die Möglichkeit haben werden, sich für eine kleinere Familie zu entscheiden. Das erfordert größere Investitionen, um einen breiteren Zugang zu reproduktiver Gesundheitsinformation und Dienstleistungen, einschließlich Familienplanung, zu schaffen.

Die Arbeit von UNFPA wird geleitet von einem Aktionsprogramm, das von 179 Regierungen auf der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD) 1994 angenommen wurde. Die Konferenzteilnehmer waren sich darin einig, dass die Erfüllung der Bedürfnisse nach Erziehung und Gesundheit, einschließlich reproduktiver Gesundheit, eine Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung bildet. Die Hauptziele des ICPD Aktionsprogrammes sind: allgemeiner Zugang zu reproduktiver Gesundheitsfürsorge bis 2015; Grundschulausbildung für alle Kinder und die Beseitigung von Geschlechterungleichheiten in der Bildung; die Reduzierung der Müttersterblichkeit um 75 Prozent bis zum Jahr 2015; Senkung der Säuglingssterblichkeit; Erhöhung der Lebenserwartung; und weltweite Reduzierung der HIV-Infektionsraten. Die Erfüllung des ICPD Aktionsprogramms wird mit darüber entscheiden, ob die Millenniums-Entwicklungsziele, die von den Regierungs- und Staatsoberhäuptern im Jahr 2000 aufgestellt wurden, erreicht werden. Die Millenniums-Entwicklungsziele sehen unter anderem vor, den Anteil jener, die von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, zu halbieren; die Anzahl jener, die an Hunger leiden, zu halbieren; die Kindersterblichkeit zu senken; die Gesundheit von Müttern zu verbessern und HIV/AIDS und andere Krankheiten zu bekämpfen.

Seit mehr als 30 Jahren ist UNFPA ein Vorposten im Bemühen, mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf Gleichstellungsfragen zu lenken, gesetzliche und politische Reformen sowie Datenerhebungen zur Gleichberechtigung zu fördern und Projekte zu unterstützen, die Frauen wirtschaftlich und politisch stärken. Der UNO-Bevölkerungsfonds unterstützt darüber hinaus die Menschenrechte von Frauen und arbeitet daran, ihre Stellung in jedem Lebensabschnitt zu verbessern.

Thoraya Ahmed Obaid, Exekutivdirektor, UNFPA, sagte in ihrer Botschaft zum diesjährigen Weltbevölkerungstag: “Die Welt kann mehr leisten. Die Lösungen sind sehr wohl bekannt und effektiv. Sie umfassen allgemeine Bildung von Mädchen und Jungen; die Beseitigung von Barrieren, die Frauen an der Teilnahme am sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Leben hindern; die Einbindung von Jungen und Männern im Kampf für Gleichheit; Informationskampagnen; und die Anwendung von Gesetzen und politischen Grundsätzen, die eine breite Palette international vereinbarter Menschenrechte,  einschließlich des Rechts auf sexuelle und reproduktive Gesundheit, fördern und schützen. All diese Aktionen fallen unter den Begriff “Gleichheit”. Gleichheit ist ein eigenständiger Wert und zugleich Eckpfeiler der Entwicklung. Gleichheit ist ein Ziel, das nachhaltiges politisches Engagement und Führungskraft verlangt. Heute, am Weltbevölkerungstag, fordere ich Entscheidungsträger auf allen Ebenen auf, die großen Vorteile zu erläutern, die gleiche Rechte der gesamten Menschheit bieten, und konkrete und dringende Aktionen einzuleiten, damit diese Rechte Realität werden.”

In Österreich unterscheiden sich die Herausforderungen  der Bevölkerungsentwicklung von denen in Entwicklungsländern: Am Anfang des Jahres 2004 betrug die Einwohnerzahl Österreichs nach Angaben von Statistik Austria 8,14 Millionen. Durch Zuwanderung wuchs die Bevölkerung leicht um 0.5 Prozent. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung. Die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen in Österreich liegt bei 82 Jahren und bei Männern bei 76 Jahren. Diese Tendenz einer höheren Lebenserwartung und des langsameren Bevölkerungswachstums stellt vor allem an das Pensionssystem große Anforderungen.

In Ungarn betrug die Einwohnerzahl im Jahr 2003 9,83 Millionen, bei einer negativen Wachstumsrate von 0,5 Prozent. Die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt war 76 Jahre für Frauen und 68 Jahre für Männer. In der Slowakischen Republik betrug die Einwohnerzahl im Jahr 2003 5.41 Millionen, bei einem Wachstum von 0,1 Prozent. Die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt war 78 Jahre für Frauen und 70 Jahre für Männer. In Slowenien betrug die Einwohnerzahl im Jahr 2003 1,98 Millionen, bei einer negativen Wachstumsrate von  0,1 Prozent. Die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt war 80 Jahre für Frauen und 73 Jahre für Männer (alle Angaben von UNFPA). 

Der Weltbevölkerungstag wird von den Vereinten Nationen jedes Jahr am 11. Juli begangen, da nach Hochrechnungen an diesem Tag im Jahr 1987 die Weltbevölkerung 5 Milliarden erreicht hatte.

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