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UNIS/NAR/1197
4. März 2014

INCB: Jeder Dollar an Vorbeugung kann bis zu zehn Dollar sparen

INCB-Jahresbericht:

  • betont Ausmaß der ökonomischen und sozialen Kosten des Drogenmissbrauchs;
  • warnt vor Missbrauch von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, die in manchen Ländern Quoten von "illegalem" Drogenmissbrauch übersteigen;
  • inkludiert regionale Trends, beleuchtet Verbreitung von 'legal highs' in fast allen Regionen.

INCB-Vorläufer-Bericht unterstreicht jüngste Trends und Herausforderungen bei der Kontrolle von Chemikalien

WIEN, 4. März (UNO-Informationsdienst) - Laut Jahresbericht 2013 des in Wien ansässigen Internationalen Suchtstoffkontrollrates (INCB) erhält nur eine/r von sechs Drogenkonsumenten weltweit - etwa 4,5 Millionen Menschen - die Behandlung, die er oder sie braucht - was weltweit jährliche Kosten von ungefähr 35 Milliarden Dollar verursacht. Der Bericht wird heute in London präsentiert. Heroin, Cannabis und Kokain werden am häufigsten von Menschen konsumiert, die weltweit eine Behandlung beginnen. INCB-Präsident Raymond Yans bemerkte, dass Investitionen in Vorbeugung und Behandlung eine weise "Investitionsentscheidung" sind, da sie zu signifikanten Einsparungen bei der medizinischen Versorgung und bei kriminalitätsbezogenen Kosten führen und das Leid der drogenabhängigen Personen und ihrer Familien erleichtert. Jeder Dollar, der für Vorbeugung aufgewendet wird, kann Regierungen bis zu zehn Dollar später ersparen. Der INCB-Bericht zeigt große regionale Ungleichheiten beim Behandlungsangebot: in Afrika erhält nur einer von 18 problematischen Drogenkonsumenten eine Behandlung, in Lateinamerika, der Karibik und in Südosteuropa einer von 11, und in Nordamerika einer von drei.

Missbrauch verschreibungspflichtiger Arzneimittel stellt erhebliche Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar, der in einigen Ländern sogar das Ausmaß des Drogenmissbrauchs übertrifft - INCB warnt vor verbreiteter Verfügbarkeit dieser Mittel

 "Take-back days" oder "Rückgabetage" als Teil der Initiativen zur Entsorgung verschreibungspflichtiger Medikamente sind wichtig aber nicht genug, um dem wachsenden Trend des Missbrauchs verschreibungspflichtiger Arzneien entgegenzuwirken, der durch die weit verbreitete Verfügbarkeit dieser Mittel verursacht wird, sagt der INCB-Präsident. Haushalte sind die Hauptquelle für verschreibungspflichtige Medikamente, die nicht mehr länger benötigt oder verwendet werden und dann für den Missbrauch abgezweigt werden. Erhebungen haben gezeigt, dass ein bedeutender Prozentsatz von Personen, die verschreibungspflichtige Medikamente missbrauchen, diese von Freunden oder Familienmitgliedern erhielten, die diese legal erworben hatten. Missbrauch von verschreibungspflichtigen Medikamenten ist eine ernste und wachsende Bedrohung für die Volksgesundheit in Nordamerika, der Region mit der weltweit höchsten drogenbezogenen Sterberate. Der INCB-Bericht betont, dass der Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente nur dann angegangen werden kann, wenn die Hauptursache für übermäßige Versorgung aufgrund von "Ärzteshopping", "Zuviel"-Verschreibung durch Mediziner und unzureichende Kontrolle der Ausstellung von Rezepten  angesprochen wird.   

Regionale Trends - 'legal highs', Cannabis-Gesetzgebung und das sich verschlechternde  Drogenproblem in Afghanistan

Eine noch nie dagewesene Anzahl und Vielzahl an neuen psychoaktiven Substanzen (NPS), die oft als "Badesalze", "legal highs" oder "pflanzliche Nahrung" verkauft werden, sind nicht nur in Europa eine große Herausforderung sondern immer mehr auch in anderen Regionen und in den Entwicklungsländern. Dieser wachsende Trend stellt die ordnungspolitischen Behörden und Vollzugsorgane vor große Herausforderungen. Die Expertenkommission der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Drogenabhängigkeit soll im Juni auf ihrer 36. Tagung mehr als 20 neue psychoaktive Substanzen begutachten.

Mittelamerika und die Karibik sind weiterhin vom illegalen Drogenhandel und in hohem Maße von drogenbedingter Gewalt betroffen, während die illegale Produktion von Methamphetaminen in großem Umfang Anlass zu ernster Besorgnis gibt. Die Region ist nach wie vor eine Transitroute für Kokain nach Nordamerika und Europa; Schätzungen zufolge stammen über 90 Prozent des gesamten in die Vereinigten Staaten geschmuggelten Kokains aus Kolumbien, die Transitroute verläuft durch Mexiko und den mittelamerikanischen Korridor.

Ein beträchtlicher Anstieg des illegalen Handels mit Opiaten ist durch Afrika zu verzeichnen. Der 10-fache Anstieg von Heroin-Beschlagnahmungen in Ostafrika macht diese Subregion womöglich zur größten Drehscheibe Afrikas für Heroin, das illegal auf europäische Märkte geschmuggelt wird. Heroin, das hauptsächlich für Europa bestimmt ist, wird in zunehmendem Maße durch Westafrika geschmuggelt, aber auch ins südliche Afrika. In Afrika gibt es auch Potential für die Nachfrage-bedingte Expansion des Kokain-Marktes, während der Cannabis-Missbrauch weiterhin hoch ist - nahezu doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt. 

Der INCB ist weiterhin besorgt über die jüngsten Entwicklungen zur Legalisierung von Cannabis für den Freizeitkonsum in Amerika, in den US-Staaten Colorado und Washington, sowie in Uruguay. "Wenn Regierungen ihre zukünftige Politik dazu erwägen, sollte die langfristige Gesundheit und das Wohl der Bevölkerung vorrangig beachtet werden", sagte der INCB-Präsident. Der INCB bemerkt, dass eine Legalisierung den Bestimmungen des Abkommens von 1961 zuwiderläuft, die den Gebrauch von Cannabis für medizinische und wissenschaftliche Zwecke beschränkt.

Nordamerika ist die Region mit den höchsten drogenbedingten Sterbefällen auf der Welt, wo der Missbrauch verschreibungspflichtiger Arzneien eine ernsthafte und wachsende Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt. Südamerika erreichte den niedrigsten Stand des illegalen Koka-Anbaus seit 1999. Die Anbaufläche nahm von schätzungsweise 153 700 ha im Jahr 2011 auf 133 700 ha im Jahr 2012 ab.  

Die Produktion und Nachfrage von Heroin in Süd- und Südostasien ist dem Rat nach weiterhin ein großes Problem. China allein berichtet von beinahe 1,3 Millionen gemeldeten Opioid-Abhängigen im Jahr 2012. Der Anstieg bei der Nachfrage in China führt wahrscheinlich zu der wachsenden Nachfrage nach Heroin, das anderswo in der Region produziert wird. 

Das Drogenproblem in Afghanistan verschlechtert sich zusehends. Der illegale Schlafmohnanbau erzielte mit 209 000 ha 2013 eine neue Rekordhöhe - ein Anstieg von 39 Prozent im Vergleich zu 154 000 ha im Jahr 2012. Das Land bleibt das Zentrum der illegalen Heroinproduktion und seine Bedeutung für Cannabisharz auf dem Weltmarkt steigt. Laut INCB-Bericht gefährdet die Situation ernsthaft die Ziele der internationalen Drogenkontrollabkommen. Der Rat ruft zu internationaler gemeinsamer Aktion zur Lösung der Situation auf und betont, dass die Vernichtung des illegalen Mohnanbaus nur erreicht werden kann, wenn entsprechende Gesetze voll respektiert und umgesetzt werden, während nachhaltige alternative Existenzgrundlagen in den betroffenen Gebieten geschaffen werden.  

Der illegale Anbau von Cannabispflanzen, sowohl in privaten Haushalten als auch auf größeren Plantagen, steigt in Europa. In manchen Ländern wird das durch den Verkauf von Samen und Ausstattung im Internet erleichtert. Die umfangreiche illegale Produktion von Cannabis wird hauptsächlich vom organisierten Verbrechen betrieben. In manchen Ländern wie etwa im Vereinigten Königreich gibt es die Tendenz zu mehreren kleineren Stätten illegaler Cannabisproduktion. Cannabis ist die am häufigsten missbrauchte Droge unter jenen Personen, die in West- und Mitteleuropa zu einer Therapie zugelassen werden. Neue psychoaktive Substanzen (NPS) sind in Ost- und Südosteuropa ein neues Drogenphänomen, wo sie erst in letzter Zeit allmählich Einfluss gewinnen. Während diese Substanzen für die Weiterverarbeitung, Verpackung und den Vertrieb in Europa hauptsächlich aus Asien kommen, zeigt sich in Europa eine beschränkte Produktion. Die Balkanroute bleibt die am häufigsten genutzte Route für den Drogenhandel in der Subregion, obwohl die geschmuggelte Heroinmenge im vergangenen Jahr sank. Kokainschmuggelrouten nach Europa sind zunehmend breit gefächert; so läuft ein Teil des Kokainschmuggels durch die baltischen Länder oder über die Balkanroute. In letzter Zeit nahm der Handel über Häfen am Schwarzen Meer zu.  

Ozeanien ist die einzige Region, in der Beschlagnahmungen aller Arten von Drogen (amphetaminähnliche Stimulanzien, Cannabis, Opiate und Kokain) in letzter Zeit gestiegen sind, hauptsächlich in Australien.

Keine Drogen ohne Chemikalien: INCB-Vorläufer-Bericht zeigt Erfolg bei der internationalen Kontrolle sowie Herausforderung bei neuen Bezugsquellen

Vorläufersubstanzen werden hauptsächlich bei der illegalen Produktion von Drogen verwendet. Der Erfolg bei der Reduzierung der Abzweigung dieser Substanzen vom internationalen Handel auf ein vernachlässigbares Niveau bedeutet, dass die Kontrollen auf nationaler Ebene zunehmend von kriminellen Organisationen ausgenützt werden, um Zugang zur Versorgung mit Chemikalien, die sie für die illegale Produktion von Missbrauchsdrogen brauchen,  erlangen, warnt der INCB. Schmuggler zapfen auch den potentiell enormen Vorrat an nicht-kontrollierten Chemikalien an, die oftmals  speziell für Aufträge produziert werden, um die effiziente international Kontrolle zu umgehen. Der INCB-Bericht über Vorläufersubstanzen zeigt die dominierenden Trends beim Handel von Vorläufersubstanzen  sowie praktische Maßnahmen, die Regierungen ergreifen müssen, um den kriminellen Organisationen die Substanzen, die sie für die Produktion von Missbrauchsdrogen benötigen, zu verweigern.

Zusätzliche Informationen finden Sie unter http://www.unis.unvienna.org/unis/en/events/2014/incb_2014.html

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Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte:

Romana Kofler
United Nations Information Service (UNIS)
Tel: (+43-1) 26060-4962
Email: romana.kofler[at]unvienna.org