Presseaussendungen

UNIS/INF/81
6. Juni 2005

Entwicklungsfinanzierung: Nicht für die Armen, sondern mit den Armen

UNO-Informationsdienst und Österreichische Entwicklungsagentur unterstützen globale Finanzpartnerschaften während eines Symposiums zum Jahr der Kleinstkredite

WIEN, 6. Juni (UNO-Informationsdienst) -- Der Informationsdienst der Vereinten Nationen veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Entwicklungsagentur (ADA) am 2. Juni ein Symposium im Vienna International Centre (VIC), um Fragen der Mikrofinanzierungsinstitute (MFIs) sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungsländern zu diskutieren. Im Zusam­menhang mit dem Bericht „In größerer Freiheit“ des Generalsekretärs der Vereinten Nationen und in Vorbereitung des UNO-Gipfels im September bot das Symposium Einblicke in die Mikro­kredit­finanzierung als eines der effizientesten Mittel innerhalb einer Vielzahl von Instrumenten zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele. Referenten und Diskussionsteilnehmer berieten über den Nutzen und die Vorteile von Mikrokrediten und Mikrofinanzierung in unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Umfeldern und versuchten, optimale Verfahren und innovative Ansätze zu entwickeln, die Kapitalgeber und Kreditnehmer einander näherbringen.

Geleitet von der Themenstellung „Förderung von globalen Finanzpartnerschaften für Entwicklung“ führten Vertreter von Regierungsstellen, aus Nicht-Regierungs- und zivilgesellschaftlichen Organisa­tionen, Banken, Hochschulen und  Medien mit UNO-Mitarbeitern einen lebhaften Gedankenaustausch zu Fragen der Innovation, Entwicklung, Kommerzialisierung, Fortschritt und Kooperation, mit dem Ziel, alle gesellschaftlichen Interessensgruppen in den Sektor der Finanzdienstleistungen einzubeziehen. Friedhelm Boschert, Vorstandsvorsitzender der Volksbank International AG, bezeichnete in seiner Präsentation Mikrofinanzierung als „die Demokratisierung des Kreditwesens“. Er betonte den genossen­­schaftlichen Charakter der Mikrofinanzierung und konstatierte, dass „nachhaltige Entwicklung nicht nur für die Armen, sondern mit den Armen gemeinsam geschehen müsse.“

Kathryn Imboden, politische Beraterin des UNO-Kapitalentwicklungsfonds (UNCDF), erläuterte das Internationale Jahr des Kleinstkredits im Zusammenhang mit den Millenniumsentwicklungszielen, während Hermann Spirik, Projekt- und Planungsleiter der Entwicklungszusammenarbeit im Österreichischen Außenministerium, die Rolle seiner Regierung als „Nischenfüller“ auf der Suche nach neuen Strategien zur Armutsbekämpfung darstellte. Hanns Martin Hagen, Vizepräsident und leitender Experte des Kreditsektors der KfW Entwicklungsbank, beschäftigte sich mit der Rolle von Entwicklungsbanken für die Mikrofinanzierung in Krisen- und ehemaligen Konfliktgebieten; und Florian Grohs von Oikocredit International  analysierte die Möglichkeiten von NGOs für die Förderung globaler Partnerschaften, wobei er von guten Erfahrungen in Südost- und Osteuropa berichten konnte. Mamadou Wane, ein Vetreter des Nord-Süd-Solidaritätsnetzwerkes berichtete, wie Mikrofinanzierung jungen Leuten in Senegal hilft, in der Heimat ihre eigene Existenz aufzubauen und sie somit von einer Emigration nach Europa oder in die USA abhalte.

In zwei Seminaren diskutierten die Teilnehmer Themen wie „Hauptströme der Mikrofinanzierung“ und „Mikrofinananzierung über Investmentfons“ bis hin zu „Ethische Investition – ein Mittel, um den Ärmsten der Armen zu helfen“. Die Symposiumsteilnehmer regten an, Verbindungen mit dem „Globalen Marshall Plan“ herzustellen – einer europäischen Initiative, welche die Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele forcieren soll. Auch sollten die Regierungen ihre Rolle als Vermittler von Wissenstransfer zwischen kommerziellen Banken und Mikrofinanzinstituten wahrnehmen.  Handlungsbedarf gibt es auch bei der besseren Zusammenarbeit  von Zentralbanken, Geschäfts­banken und Mikrofinanzinstituten.

Das Symposium wurde im Rahmen des von der Generalversammlung der Vereinten Nationen für 2005 erklärten „Internationalen Jahr des Mikrokredits“ abgehalten, um die Bedeutung von Mikro­finanzierung im globalen Kampf gegen die Armut hervorzuheben.

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