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Es fehlt an 2,6 Milliarden Toiletten
Gastkommentar von Seiner Königlichen Hoheit, dem Prinzen von Oranien
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Es ist schockierend, dass 2,6 Milliarden Menschen täglich ohne Toiletten leben. Wenn man diese Zahl genauer analysiert, ist es noch schlimmer. Von diesen 2,6 Milliarden Menschen lebt die große Mehrheit in den Entwicklungsländern, was bedeutet, dass die Hälfte der Menschen in diesen Teilen der Welt keine ordentliche Toilette hat. Wenn man den sozial-ökonomischen Status berücksichtigt, sind die Ungleichheiten noch schlimmer: in Südasien haben von den 40 Prozent der Ärmsten nur zwei von zehn Haushalten einen sauberen Ort, ihre Notdurft zu verrichten.
Trotz der ernormen Entwicklungen seit 2000 erzielen wir nicht genug Fortschritt bei der Versorgung mit ordentlichen Toiletten. Den laufenden Trends zu Folge werden bis 2015 mehr Menschen, nicht weniger, keine ausreichenden Sanitäreinrichtungen haben. 2015 ist das Jahr, in dem die Führenden der Welt beurteilen werden, ob wir das Ziel der UNO-Millenniumsentwicklungsziele, die Zahl jener Menschen mit fehlender sanitärer Grundversorgung zu halbieren, erreicht haben. Abschreckende Statistiken, und dahinter versteckt, unermessliches menschliches Leid, eine entmutigende globale Ungleichheit, verlorene Möglichkeiten für ein Wirtschaftswachstum, und eine wachsende Umweltzerstörung.
Niemand kann die Kosten ignorieren, die fehlende Sanitäreinrichtungen für alle bedeuten. Es werden mehr Kinder an Durchfallerkrankungen sterben als an AIDS, Malaria und Masern zusammen - ein vermeidbarer Umstand, der direkt mit mangelnder Hygiene in Zusammenhang steht. Auch wenn Durchfall nicht tötet, so schwächt er ernsthaft. Er macht Menschen, vor allem die ärmsten Kinder, für akute Atemwegsinfektionen, chronische Unterernährung und andere Krankheiten anfällig. Tropenkrankheiten wie Trachom, allgemein als Flussblindheit bekannt, Spulwürmer, Hakenwurm, Peitschenwurm und Schistosomiasis werden durch Fäkalien übertragen. Falls sie einer von den Abermillionen Menschen sind, die an diesen vernachlässigten Krankheiten leiden, zählen sie zu den Glücklichen, wenn sie Medikamente erhalten. Aber bessere Sanitäreinrichtungen könnten diese vermeidbaren Umstände drastisch reduzieren und sogar vermeiden. Das wäre günstiger als Medikamente und würde andere Entwicklungsmöglichkeiten bringen.
Der Mangel an ordentlichen Toiletten verhindert Wirtschaftswachstum. Die Weltbank hat kürzlich die jährlichen Kosten mangelnder Sanitäreinrichtungen in Indien mit 53,8 Milliarden US-Dollar; in Indonesien mit US$ 6,3 Milliarden Dollar; und in der Laotischen Volksdemokratischen Republik mit US$ 193 Milliarden bemessen - hauptsächlich aufgrund von gesundheits- und umweltbedingten Auswirkungen. Stellen sie sich vor, all das Geld würde für Hygieneerziehung, Infrastrukturprojekte und lokale Entwicklung aufgewendet werden. Damit könnten wir die sanitäre Krise beenden. Kinder, Frauen und Männer würden bereits die gesundheitlichen Vorteile spüren, ökonomische Möglichkeiten und eine grundlegende Menschenwürde kommen mit guten sanitären Einrichtungen.
Möglicherweise fragen sie sich, warum im Jahr 2011 2,6 Milliarden Menschen noch immer keine ordentliche Toilette haben. Viele fähige Menschen haben versucht, diese Frage zu beantworten und eigentlich gibt es keine einzelne Antwort dafür. Es ist sicherlich schwierig, dass sanitäre Einrichtungen mit dem rapiden Bevölkerungswachstum Schritt halten können. Trotzdem stimmen alle Experten einem wesentlichen Grund zu -- Entscheidungsträger sprechen nur ungern öffentlich über Sanitäreinrichtungen und, so lange Sanitäreinrichtungen stigmatisiert sind, wird die Krise weitergehen. Wir brauchen dringend öffentliche Bildung, eine zielgerichtete Politik und, vor allem, den politischen Willen, diese Herausforderung anzugehen.
Ich würde behaupten, dass wir heute einem Wendepunkt erreicht haben -- mehr und mehr Menschen sehen Sanitäreinrichtungen als einen grundlegenden Wert und es gibt viele Gründe, hoffnungsvoll zu sein. Die Vereinten Nationen haben jüngst echte Bereitschaft gezeigt, Sanitäreinrichtungen in den Mittelpunkt der internationalen Entwicklungsagenda zu setzen. Die Länder haben erkannt, dass der Zugang zu sanitärer Grundversorgung ein Menschenrecht ist. Vor nur wenigen Monaten haben die Vereinten Nationen eine Resolution verabschiedet, die zum Ende der Defäkation im Freien, zu einer Aufstockung der finanziellen Mittel und einem koordinierten Handeln aufgrund des Plans '
Nachhaltige Sanitäreinrichtungen: Fünf Jahre bis 2015' aufruft. Dieser 'Drive bis 2015', der Entscheidungsträger dazu führen soll, mehr politischen Willen für eine sanitäre Grundversorgung zu zeigen, wird am 21. Juni bei den Vereinten Nationen in New York gestartet. Unterstützen sie unsere Bemühungen. Wollen wir, dass 2015 mehr Menschen eine ordentliche Toilette haben? Natürlich wollen wir es - aus 2,6 Milliarden Gründen!
* Seine königliche Hoheit, der Prinz von Oranien, ist Vorsitzender des Beirates des Generalsekretärs der Vereinten Nationen für Wasser- und Sanitärversorgung
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